blick-richtung news 1/2015

Bei „richtung: ziel“ gibt es im neuen Jahr Neues:

. Ich biete neue Themen für Workshops an, habe also meine „Produktpalette“ erweitert.Coaching „in riskanter Arbeitswelt“ – lesen Sie einen Auszug aus dem Vortrag, den ich bei einem international tätigen, inhabergeführten, mittelständischen Unternehmen gehalten habe.
 

Neu im Angebot: Workshops „Führung“ und „Gruppen leiten“

Neben Coaching und Supervision bietet „richtung: ziel“ auch Moderation und Training an. Dieses „Geschäftsfeld“ hat sich zuletzt in besonderer Weise entwickelt: Seminare für politische Nachwuchskräfte, die sich mit Selbst-, Menschen und Organisationsführung sowie mit Rhetorik befassen. Trainings für Leiter(innen) von Familienzentren zu Konfliktmanagement und „schwierigen Gesprächen“. Workshops, die auf die Entwicklung von Hochschulprojekten und die Weiterqualifikation von Hochschullehrern zielen.

Neu im Angebot sind jetzt „Führung – eine zielgerichtete Interaktion“ und „Gruppen verstehen und leiten“. Beiden Workshops lege ich meinen systemisch-konstruktivistischen Ansatz zugrunde, schneide die Ausführung aber genau auf meine Kunden zu. Das gilt auch für den zeitlichen Umfang, der zwischen wenigen Stunden und mehreren Tagen liegen kann.

Coaching in „riskanter Arbeitswelt“

Coaching zielt auf den Beruf (oder das Ehrenamt). Der Auszug aus meinem Vortrag befasst sich damit, wie Berater den Wandel der Arbeitswelt beschreiben und welche Funktion sie Coaching zuschreiben.

Veränderungen in der Arbeitswelt werden mit dem Begriff Entgrenzung beschrieben.

Bis weit in die 80er Jahre hinein waren Privat- und Berufsleben klar getrennt, vielleicht nicht für Selbständige, aber doch für abhängig Beschäftigte, und letztere fanden in ihren Organisationen relativ stabile Strukturen vor.

  Heute gehen Berufs- und Privatsphäre zeitlich und räumlich ineinander über (Flexibilisierung der Arbeitszeiten, Home Office und Telearbeit, Erreichbarkeit). In Organisationen nimmt dynamische Projekt- und Teamarbeit mit flachen Hierarchien und deregulierten Beschäftigungsformen (Scheinselbstständigkeit, freie feste Mitarbeit) zu. Diese Entgrenzungen führen zu einer
„Subjektivierung der Arbeit“

und das meint folgendes: wenn statt Tätigkeiten Ziele vorgegeben werden und das Erreichen der Ziele in die Verantwortung des Einzelnen oder der Gruppe gelegt wird, der oder die also entscheiden, was sie wann, wie und warum dafür tun, dann ist das zunächst ein Gewinn an Selbstbestimmung, den viele Menschen durchaus schätzen. Nur findet die geforderte Selbstorganisation häufig unter sich verschlechternden Rahmenbedingungen statt: Geschwindigkeit und Kurzfristigkeit, Arbeitsverdichtung, steigende Erfolgserwartungen mit immer weniger, häufig wechselndem Personal, Bürokratiewust und vor allem: Wandel ohne Ende. Es wird dauernd über Veränderungen gesprochen. Es werden dauernd Veränderungen gemacht. Es wird dauernd alles durcheinander gewürfelt. Können wir denn irgendwann mal unsere Arbeit machen? wird ein Arbeitnehmer in der Studie „Riskante Arbeitswelt im Spiegel der Supervision“ (2011) zitiert. (Die Studie basiert auf Befragungen von Supervisoren, die Berufstätige im Profit und Non-Profit-Bereich berieten und will Risikofaktoren für Arbeitsqualität und psychische Gesundheit identifizieren). Wobei in mancher Organisation (nicht zuletzt in Familienunternehmen) auch Führung, Kollegialität, Professionalität und gute Arbeitsbedingungen Halt geben.

Der Fairness halber sei erwähnt: Organisationen veranstalten all dies ja nicht aus Lust und Tollerei, sondern weil sie damit ihr Überleben unter extremen Rahmenbedingungen vieler Branchen und Märkte sichern wollen – so der Coaching-Report (2013), der die daraus entstehende besondere Belastung von Führungskräften hervorhebt. (Der Coaching-Report ist eine Marktanalyse des Deutschen Bundesverbands Coaching und der Universität Marburg, für den etwa 1000 Coaches und 130 Unternehmen befragt wurden).

Kurzum: das Risiko, dass Menschen diese Art von Freiheit als Zwang erleben, ist groß. Weil sie sich permanenten Handlungsdruck ausgesetzt sehen, weil sie meinen, die geforderten Ziele unter höchstem persönlichen Einsatz erreichen zu müssen, weil sie darunter leiden, quasi in eigener Verantwortung professionelle Standards abzusenken, um die Arbeit mengenmäßig zu bewältigen.

Müssen sie doch gar nicht? Müssen sie vielleicht tatsächlich nicht, aber der Preis ist hoch und kann im Verzicht auf eine erfüllte Tätigkeit, positive Kollegenbeziehungen, persönliche Erfolgserlebnisse und soziale Anerkennung bestehen.

   Mit Gerhard Duschl, Inhaber und Geschäftsführer des Unternehmens  
Coaching ist ein Teil dieses Systems

der riskanten Arbeitswelt, jedenfalls, seit es nicht mehr als eine Art Reparaturmaßnahme für leistungsschwache Mitarbeiter begriffen wird, sondern vielmehr der Steigerung der Performance der Besten dient. Hauptzielgruppe ist heute das mittlere und gehobene Management, dessen volles Potential es zu aktivieren und zu erschließen gilt um deren Lernbereitschaft und Lernfähigkeit als Grundlage für ihre Veränderungsfähigkeit zu erhöhen, so der Coaching Report.

Immer schneller, immer höher, immer weiter, um permanent Grenzen zu verschieben? Ja, dafür wird Coaching genutzt. Es wird für immer kürzere Sequenzen und für immer konkretere Ziele nachgefragt.

Coaching kann aber auch ganz anders.

Veränderung ist der Alltag, Stabilität die Herausforderung. So verstanden schafft Coaching den Raum und die Zeit für Reflexion. Es ermöglicht Menschen, aus einer Beobachterperspektive auf den alltäglichen Wahnsinn zu schauen und sich mit Sinn und Zweck des eigenen Tuns auseinanderzusetzen.

Wir sind Propheten des Stillstands, postulierte ein wortgewaltiger Kollege auf einem Supervisorentreffen (Carl Otto Velmerig): Wir unterbrechen den Betrieb für eine quasi professionelle Form der Pause, in der man sich die Freiheit nehmen kann, seine Lage zu bedenken und ihre Veränderung zu planen – um so tatsächlich an Subjektkompetenz zu gewinnen.

Coaching: es kommt also darauf an, was man daraus macht.

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